Firmenchronik 1930 - 2026
Mitglied der Friseurinnung München seit 1930 | Wer sich schon immer gefragt hat, was diese runden 'Teile' da bei den Friseuren eigentlich sein sollen: Das ist die 'Baderschale', das Zunftzeichen der Friseure seit dem frühen Mittelalter - bis heute. Bereits bei den späten Germanen gab es am Ende des Dorfes ein 'Badehäuschen', woraus sich dann im Laufe der Zeit 'Badestuben' entwickelten, woraus dann wiederum die 'Baderstuben' wurden, in welchen gebadet, Haare und Bärte geschnitten sowie chirurgische Eingriffe, Amputationen und Zahnbehandlungen vorgenommen wurden. Die moderne Chirurgie, die Zahnmedizin - auch wenn die das heute freilich nicht mehr gerne hören - und das Friseurhandwerk haben also eine gemeinsame Wurzel: Den Bader. Früher war es für die Schulmedizin ..."unwürdig, sich mit Körpersäften zu besudeln..." - also mussten die 'Leidgeplagten' für Abhilfe zum Bader! Darüber hinaus (es badeten Männlein und Weiblein im selben Zuber (Pfuhl), 'soll' es dabei natürlich auch zu 'unzüchtigen Handlungen' gekommen sein, weswegen das Friseurhandwerk lange Zeit über ein 'wenig' in Verruf gewesen ist (daher auch der Ausdruck 'Sündenpfuhl'). Mit diesen Baderschalen, mit Stöcken darauf schlagend, zogen im Mittelalter die Lehrbuben des Badermeisters durch die Gassen was den Menschen anzeigen sollte, dass das Wasser in der Baderstube heiß und frisch zubereitet war. Da ging jetzt wieder ein bissl der 'Stilkundler' mit mir durch - ich hab u. a. dieses Fach jahrelang an der Meisterschule für Friseure doziert, und habe es geliebt... |
1930 am 1. Juli, gründeten der gelernte Friseur Michael und die gelernte Büro-Sekretärin Rosina Simmet, geborene Jungbauer, die, nachdem mein Opa um ihre Hand angehalten hatte, eine Umschulung (gab‘s damals auch schon!) zur Friseurin absolvierte, im heutigen Restaurant „El Greco“ (vormals „Delphi“, damals „Café Sonne“) in der Josef-Frankl-Str. 30, damals Bahnhofstraße, in Feldmoching den „Damen- und Herrenfriseur Simmet“. Als ihr erster Vermieter bankrott ging, zogen sie mit ihrem Geschäft ins Nachbarhaus, Josef-Frankl-Str. 28, damals Bahnhofstraße, in welchem sich heute die Fahrschule Adrian befindet. |
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1934 kauften sie das Anwesen Josef-Frankl-Str. 53 (Bahnhofstraße 16 - siehe original Kaufvertrag links) und bauten den vorderen Teil des Hauses zum Friseurgeschäft um. Die Wiedereröffnung war 1936. Nachdem junge Menschen seinerzeit nichts geschenkt bekamen, liehen die beiden sich von meinem Urgroßvater Josef Jungbauer, dem Vater meiner Oma, 10.000 Reichsmark. 7.700 RM kostete das Haus, und für die restlichen 2.300 RM führten sie die Umbau- und Einrichtungsmaßnahmen durch. 1 Reichsmark entspricht in etwa heute dem Wert von 4,20 EUR - damals sehr viel Geld! 75 RM hatten die beiden monatlich (ab April 1935) an meinen Urgroßvater zurückzuzahlen, 78 RM monatlich ab Oktober 1936, selbst als 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach und mein Opa eingezogen wurde, zahlte Oma weiter. | |
Die 'Handwerkskarte' stammt aus 1930 zur Firmengründung Original Lehrzeugnis und Prüfungszeugnis meines Opas und Firmengründers Michael Simmet von 1927. Wer sich mit der Schrift beim Prüfungszeugnis schwer tut: "...als Gesellenstück bzw. Arbeitsprobe hat er gefertigt - einen Zopf, Haarschneiden und Rasieren..." - ja,...das ist heutzutage freilich ein bisschen aufwändiger :-)... | Rasierszene ca. um 1936 - hier seift meine Oma einen Kunden ein... rasiert hat ihn aber dann aber der Opa, weil meine Oma hauptsächlich die Damen bedient und onduliert hat - die letzte Kundin noch Ende der 1980er, und noch immer mit ihrem originalen, alten Onduliereisen (siehe Schaukasten) samt dazugehörigem Ofen zum Erhitzen desselben! Eines meiner absoluten Lieblingsbilder 1945 nach dem Krieg, stieg die Zahl der Kunden stetig, es konnten aufgrund der räumlichen Verhältnisse jedoch nur 2 Mitarbeiter beschäftigt |
Der Damensalon in den 1950ern (siehe Tab 'Feldmoching' Raum II) | Der Herrennsalon in den 1950ern (siehe Tab 'Feldmoching' Raum I) |
(rechts) Unser Verkaufsschrank in den 1950er Jahren: | |
| 1953 trat der Sohn der beiden, Raimund Simmet sen., nach bestandener Gesellenprüfung in das Geschäft ein. |
1986 mit Beginn der Ausbildung von Raimund Simmet jun. (jetziger Inhaber) zum Friseur (Lehrbetrieb: „Munich Hair Academy“, damals noch | |
1995 übernahm Raimund Simmet jun. nach erfolgreich absolvierter Meisterprüfung (Februar 1995) als Gesellschafter der elterlichen GbR | |
2010 geht Firmeninhaber Raimund Simmet sen. mit 74 Jahren, nach 61 ‚Dienstjahren‘ in seinen wohlverdienten Ruhestand. Den Salon in der Josef-Frankl-Str. führt und leitet dessen Ehefrau Edeltraud Simmet, meine Mama, nun in Alleinregie weiter.
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2020 im Juli, hatten wir während der Corona-Pandemie unser 90-jähriges Firmenjubiläum, welches wir gottseidank während einer Zeit der Lockerungen im Sommer - an alter Wirkungsstätte, im Garten des 'El Greco' nämlich - mit allen Mitarbeiterinnen sowie den ehemaligen Inhabern, meinen Eltern, gebührend feiern konnten! 2021 steigt Raimund Simmet juns. Lebensgefährtin Eda als vollwertige Friseurin mit Abschluss in die Leitung der Läden mit ein. 2023 am 06. August stirbt der langjährige Firmeninhaber Raimund Simmet sen. im Alter von 87 Jahren. | |
2026 am 30. Mai um 12:00 Uhr: Neueröffnung unseres neuen INstyle Salons. Im mit Abstand 'ältesten' noch existierenden Ladengeschäftes Feldmochings wird an neuer Location ein neues Kapitel aufgeschlagen! (rechts) Die Inhaber der 'third Generation' Eda und Raimund Simmet beim gemeinsamen Durchtrennen des Eröffnungsbandes - Jetzt dürfen die Kundinnen und Kunden endlich 'rein!!! |
‚Der Simmet‘ - auch wenn er jetzt „neimodisch“ ‚INstyle‘ heisst - im mit Abstand ältesten noch existierenden Ladengeschäft Feldmochings wird weiterhin Tradition mit der Moderne verschmolzen!

































